|
„Nature meets industry“
Tagebuch eines deutsch-serbischen Jugendaustausches
24. Juli – 04. August 2006
Montag, 24. Juli
Nach 26 stündiger Busfahrt kommen unsere serbischen Gäste müde aber glücklich am Bahnhof Essen an. Wir begleiten sie in ihre Unterkunft, wo bereits Kaffee und Kuchen bereitstehen. Die Freude über das Wiedersehen ist groß.
Am Abend treffen wir uns gemeinsam in der Mühle. Nachdem wir das Programm für die nächsten 12 Tage durchgesprochen haben können wir uns endlich dem lustigen Teil des Abends widmen. Wer sich noch nicht kennt, verliert spätestens bei „das kotzende Känguruh“ oder „Obstkorb“ seine Scheu.
Dienstag, 25. Juli
Wir sind zu einem offiziellen Termin beim Bürgermeister im Rathaus eingeladen. Herr Fliß begrüßt die serbische Gruppe sehr herzlich in Essen und erzählt spannende Geschichten aus dem Ruhrgebiet. Am Nachmittag erforschen wir bei einem Geländespiel in Kleingruppen die Gruga. Einige sehr knifflige Aufgaben werden gelöst, andere nicht...
Eine Führung durch das Hundertwasserhaus zeigt uns die ausgefallene Architektur des Gebäudes. Den restlichen Abend genießen wir auf dem Grillplatz bei Würstchen und Kartoffelsalat.
Mittwoch, 26. Juli
Ein Mitarbeiter der Biologischen Station zeigt uns bei einer Führung, wie sich im Landschaftspark Nord auf ehemaligen Industrieflächen die Natur ihren Raum zurück erobert. Am Nachmittag beginnen wir mit dem ersten Teil des Workshops zum Thema Recycling.
Donnerstag, 27. Juli
Was bedeutet Recycling in Deutschland? Eine Mitarbeiterin des Recyclinghofes erklärt uns den Weg des Mülls. Am Nachmittag verfolgen wir das Thema weiter. Beim zweiten Teil des Recycling-Workshops erläutert die serbische Gruppe die Müll-Problematik in Serbien. Eine gemeinsame Projektidee entsteht. Anschließend folgt ein besonderes Highlight: Wir fahren mit dem „Starlight Express“
Freitag, 28. Juli
In der alten Synagoge erfahren wir von Frau Dr. Brocke eine Menge über das jüdische Leben heute. Anschließend genießen wir einen freien Nachmittag. Die einen fahren ins Freibad und werden bald wieder von Regenschauern verjagt, die anderen gehen in der Stadt bummeln. Am Abend dann steigt eine große Party in der Mühle: zwei deutsche TeilnehmerInnen feiern ihren Geburtstag und den Besuch der serbischen Freunde.
Samstag, 29. Juli
Einsatz auf der Steuobstwiese! Mit Sensen und Balkenmäher rücken wir dem hohen Gras zu Leibe. Wie sich herausstellt, sind die Serben an der Sense geschickter als wir. Nach getaner Arbeit schlendern wir durch die Werdener Altstadt und genießen ein schönes kaltes Eis.
Sonntag, 30. Juli
Aufbruch in die Eifel. Bei einem Zwischenstopp in Köln schauen wir uns die Stadt erst von der Domspitze und dann während einer Bootstour vom Rhein aus an. Auf dem Dom stehend sehen wir bereits die dicken Regenwolken über der Eifel hängen und ahnen was uns erwartet. Als wir wenige Stunden später auf dem Zeltplatz in Simmerath ankommen, schüttet es wie aus Eimern. Zum Glück verziehen sich die Wolken im Laufe des Abends. Endlich können wir unsere Zelte aufbauen und ein gemütliches Lagerfeuer machen.
Montag, 31. Juli
Am frühen Morgen brechen wir auf, um den neu gegründeten Nationalpark Eifel zu erobern. Zuerst besichtigen wir die Burg Vogelsang und erfahren viel über die ehemalige, heutige und zukünftige Nutzung der Ordensburg. Nach einem Picknick auf dem Burggelände genießen wir Natur pur. Mit einer Rangerin wandern wir über die ausgedehnten Wiesenflächen, durch ehemalige Siedlungen und wilde Wälder des Nationalparks.
Dienstag, 1. August
Dass die Eifel auch kulturell viel zu bieten hat sehen wir in Monschau. Alte Fachwerkhäuser, Burgen und enge Gassen laden zum Verweilen ein. Am Mittag ruft uns dann doch wieder die Natur. Wir wandern immer entlang der Rur, vorbei an eindrucksvollen Felsformationen, durch knochige Wälder und über ehemalige Weinbauterassen.
Mittwoch, 2. August
Jetzt heißt es heimwärts fahren, Zelte abbauen, zurück nach Essen. Auf dem Weg dahin machen wir einen Zwischenstop im Hohen Venn. Leider regnet es fast ununterbrochen, passend zum Charakter der Moorlandschaft. Am Abend kommen wir völlig durchnäßt in Essen an und freuen uns auf eine heiße Dusche.
Donnerstag, 3. August
Der letzte Tag! Nach so viel Naturerlebnis haben wir auch noch ein Industrie-Highlight auf dem Programm. Gemeinsam besichtigen wir das Stahlwerk in Duisburg und sind sehr beeindruckt: wie ein Lavastrom werden Unmengen flüssigen Stahls aus einer riesigen Pfanne gegossen und in Form gebracht.
Dann ist für die Serben packen angesagt. Gegen Abend treffen wir uns wieder in der Mühle um Abschied zu nehmen und ein letztes Mal gemütlich beisammen zu sein. In einer Feedbackrunde wird der Austausch von allen TeilnehmerInnen reflektiert.
Freitag, 4. August
In aller Frühe holen wir die serbische Gruppe von ihrer Unterkunft ab und bringen sie zum Bahnhof wo ein Bus sie zurück nach Kragujevac bringt. Der Abschied fällt schwer, viele Tränen werden vergossen. Es war eine schöne Zeit.
|